Wie riecht das Recht?
Der Gedanke an das multisensorische Recht lässt mich nicht los. Im Sommer war ich zu einem Besuch am Lehrstuhl für Zellphysiologie bei Prof. Hatt eingeladen. Dort habe ich gelernt, dass Menschen über ein Vokabular von mehr als 10.000 Duftmustern verfügen. Wer sich mit Pampelmusenduft parfümiert, wirkt auf sein Gegenüber um Kilo leichter, und, wer den richtigen Blumenduft anlegt, um Jahre jünger. Duftmarketing ist ja wohl inzwischen ein alter Hut. Im Frankfurter Flughafen soll es einen Fußgängertunnel geben, der von den Passagieren gemieden wurde, bis man ihn schließlich mit der richtigen Duftnote versah. Erinnerungen an freudige und traumatische Ereignisse werden spontan durch verschiedene Auslöser, darunter auch Gerüche, ins Bewusstsein gerufen. Ich empfehle deshalb, ein Parfum nie ganz aufzubrauchen. Mit dem Rest lassen sich vielleicht glückliche Stunden noch einmal wieder herbeizaubern.
Was hat das alles mit dem Recht zu tun? Riecht das Recht streng, staubig oder wie sonst? Dürfen wir künftig in Gerichtssälen Antiaggressionsdüfte und in Gefängnissen Aromatherapie erwarten? So ganz abwegig sind solche Fragen nicht. Wie es der Zufall so will, findet sich in dieser Woche in Time1 eine kurze Notiz mit der Überschrift »Social Norms – Call it Nasal Sway«. Darin wird auf psychologische Studien hingewiesen, die angeblich zeigen, dass saubere Düfte moralisches Verhalten stärken: »In two separate experiments, participants who sat in a room spritzed with citrus-scented Windex were more likely to act fairly and charitably than those in an unscented Room.«2 Doch es funktioniert auch anders herum: »A paper published last year in the Personality and Social Psychology Bulletin revealed that people are more critical and judgmental about certain moral issues when exposed to a fart-scented spray.«
Vielleicht sollten Staatsanwälte mehr Erbsen und Zwiebeln essen, bevor sie in die Verhandlung gehen. In Kombination mit einigen Bildern dürfte die Wirkung umwerfend sein.
- Nr. 19 vom 16. 11. 2009, S. 47 – das Heft mit Hillary Clinton auf dem Titel. ↩
- Etwas ausführlicher in einem Blog, den ich nicht richtig identifizieren kann. ↩
Multisensorisches Recht
Empfohlene Zitierweise
Klaus F. Röhl: Wie riecht das Recht?. Beitrag in Recht anschaulich, 15. November 2009, abrufbar unter http://recht-anschaulich.lookingintomedia.com/?p=806
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November 15th, 2009 at 6:28 pm
Hier machte sich vor Kurzem ein Mannheimer Blogger dazu Gedanken, wie wohl E-Books riechen werden – http://duesiblog.de/index.php?/archives/624-Wie-werden-E-Books-riechen.html – für Olfaktoriker sicherlich nicht uninteressant.
Grüße sep